Das Feuerzeug ist ein spannendes Märchen von Hans Christian Andersen über Mut, Zufall und eine geheimnisvolle Kraft, die alles verändert. Diese Fassung liest sich flüssig, klar und angenehm und eignet sich wunderbar zum Lesen, Vorlesen und gemeinsamen Entdecken.
Im Mittelpunkt steht ein Soldat, der nach dem Krieg auf eine seltsame alte Frau trifft. Aus einer einfachen Begegnung wird ein märchenhaftes Abenteuer mit Gold, einer verborgenen Prinzessin, magischen Hunden und einem Feuerzeug, das mehr kann, als man zunächst ahnt.
Das Feuerzeug – Märchen zum Lesen und Vorlesen
Ein Soldat marschierte die Landstraße entlang. Er kam aus dem Krieg, trug seinen Tornister auf dem Rücken und seinen Säbel an der Seite. Seine Stiefel waren staubig, aber er ging mit festen Schritten weiter. Heim wollte er. Einfach nur heim.
Da begegnete ihm eine alte Frau. Sie sah so sonderbar aus, dass der Soldat unwillkürlich langsamer wurde. Ihre Unterlippe hing tief herab, und ihre Augen ruhten scharf auf ihm.
— Guten Abend, Soldat.
— Guten Abend.
— Du hast einen schönen Säbel.
— Der hat mir gute Dienste geleistet.
— Und einen kräftigen Tornister dazu. Du bist genau der Richtige.
— Für was denn?
Die alte Frau deutete auf einen großen Baum am Wegrand. Von außen sah er alt und ganz gewöhnlich aus, doch innen, sagte sie, sei er hohl.
— Kletter hinauf.
— Und dann?
— Oben findest du ein Loch. Dadurch kommst du tief hinunter.
— Warum sollte ich das tun?
— Weil dort unten mehr Geld liegt, als du tragen kannst.
Der Soldat sah sie misstrauisch an.
— Und was willst du dafür?
— Nicht dein Geld. Nur ein altes Feuerzeug, das dort unten liegt.
— Nur ein Feuerzeug?
— Ja. Nur das.
Das machte den Soldaten misstrauisch. Doch Geld war Geld, und er hatte keins. Also band ihm die Alte ein Seil um die Hüfte und gab ihm ihre blau karierte Schürze mit. Dann kletterte er hinauf, rutschte durch das Loch und kam tief unten in einem hellen Gang an, der von vielen Lampen erleuchtet wurde.
Drei Türen führten in drei Kammern.
Er öffnete die erste. Dort saß ein Hund auf einer Kiste. Seine Augen waren riesig, fast so groß wie Teetassen.
— Na, du bist ja ein merkwürdiger Wächter.
Der Soldat erinnerte sich an die Worte der Alten, breitete die Schürze auf dem Boden aus, setzte den Hund darauf und öffnete die Kiste. Sie war voller Kupfermünzen. Er nahm sich so viel, wie in seine Taschen passte, und ging weiter.
In der zweiten Kammer saß ein noch seltsamerer Hund. Seine Augen waren groß wie Mühlräder.
— Du starrst ein bisschen zu viel.
— Aber ich nehme es dir nicht übel.
Auch diesen Hund setzte er auf die Schürze und öffnete die Kiste. Diesmal war sie voller Silber. Sofort warf er das Kupfer weg und stopfte sich die Taschen mit dem wertvolleren Geld voll.
Dann ging er in die dritte Kammer. Dort stand die größte Kiste, und auf ihr saß ein Hund mit Augen, so groß wie Türme. Sie rollten schwer im Kopf herum und sahen so unheimlich aus, dass der Soldat kurz innehielt.
— Gut.
— Jetzt wird es wirklich seltsam.
Trotzdem hob er auch diesen Hund auf die Schürze und öffnete die Kiste. Sie war randvoll mit Gold. So viel Gold, dass der Soldat für einen Moment nur dastand und staunte. Dann füllte er alles, was er hatte: Taschen, Tornister, Stiefel und sogar seine Mütze.
Als er kaum noch laufen konnte, rief er nach oben:
— Zieh mich hoch!
Die alte Frau zog ihn wieder herauf. Kaum stand er draußen, fragte sie:
— Hast du das Feuerzeug?
Der Soldat griff an seine Tasche und erschrak.
— Verdammt. Das habe ich vergessen.
Er ließ sich noch einmal hinunter, holte das Feuerzeug und kam wieder herauf. Dann hielt die Alte die Hand hin.
— Gib es mir.
Der Soldat sah sie scharf an.
— Erst sagst du mir, warum dieses Feuerzeug dir wichtiger ist als das ganze Geld.
— Das geht dich nichts an. Gib es her.
— Dann sage ich nein.
— Soldat, tu, was ich dir sage.
— Nein. Jetzt will ich die Wahrheit wissen.
Doch die Alte schwieg. Da zog der Soldat seinen Säbel. Die Begegnung endete düster, und die Frau blieb tot am Weg zurück. Der Soldat nahm das Geld, steckte das Feuerzeug ein und zog weiter in die Stadt.
Dort lebte er zunächst wie ein Herr. Er mietete die besten Zimmer, aß gutes Essen, trug feine Kleider und gab sein Geld mit vollen Händen aus. Plötzlich fanden ihn alle interessant. Wer gestern noch an ihm vorbeigegangen wäre, lächelte ihm heute freundlich zu.
Doch Geld, das nur hinausgeht, wird irgendwann weniger. So war es auch bei ihm. Eines Tages war fast nichts mehr übrig. Der Soldat musste seine schönen Räume verlassen und zog in eine kleine Kammer unter dem Dach. Kein Diener, kein feines Essen, kein Glanz mehr. Nur schlechte Luft, alte Stiefel und zwei letzte Münzen.
Am Abend saß er im Dunkeln. Da fiel ihm das Feuerzeug wieder ein. Er holte es hervor und schlug Funken. Kaum hatte es geknistert, sprang die Tür auf, und vor ihm stand plötzlich der Hund mit den Augen so groß wie Teetassen.
— Was befiehlt mein Herr?
Der Soldat fuhr zusammen.
— Also deswegen wollte die Alte das Feuerzeug.
— Was befiehlt mein Herr?
— Bring mir Geld. Sofort.
Der Hund verschwand und war im nächsten Augenblick mit einem Beutel voller Münzen zurück. Nun verstand der Soldat endlich, welches Geheimnis in dem Feuerzeug steckte. Ein Schlag rief den ersten Hund, zwei Schläge den zweiten und drei Schläge den dritten, der das meiste Gold brachte.
So war der Soldat wieder reich. Er zog erneut in schöne Zimmer, kaufte neue Kleider und lebte wie zuvor. Aber diesmal dachte er oft an etwas anderes: an die Prinzessin.
Man erzählte sich in der Stadt, sie sei wunderschön, aber niemand dürfe sie sehen. Sie lebe abgeschirmt in einem kupfernen Schloss, weil geweissagt worden sei, dass sie eines Tages einen einfachen Soldaten heiraten würde. Der König wollte das mit allen Mitteln verhindern.
Der Soldat lachte zuerst darüber. Doch dann dachte er immer häufiger an diese Prinzessin. Schließlich hielt er es nicht mehr aus und schlug das Feuerzeug.
— Was befiehlt mein Herr?
— Ich will die Prinzessin sehen. Nur einen Augenblick.
In derselben Nacht holte der Hund die schlafende Prinzessin auf seinem Rücken und brachte sie in das Zimmer des Soldaten. Als er sie sah, verstand er sofort, warum alle von ihr sprachen. Sie war still, friedlich und schön wie ein Traum. Er beugte sich vor und küsste sie. Danach brachte der Hund sie wieder zurück.
Am Morgen erzählte die Prinzessin beim Frühstück von einem merkwürdigen Traum.
— Ich bin auf einem Hund geritten.
— Auf einem Hund? fragte die Königin.
— Ja. Und ein Soldat hat mich geküsst.
Die Königin wurde sofort misstrauisch. In der folgenden Nacht sollte eine Hofdame wachen. Wieder holte der Hund die Prinzessin, und diesmal lief die Hofdame heimlich hinterher. Sie markierte die Tür des Soldaten mit Kreide.
Doch der Hund bemerkte es und malte klug an alle Türen der Straße ebenfalls Kreuze. Am Morgen wusste niemand mehr, welches Haus das richtige war.
Da griff die Königin zu einer feineren List. Sie nähte einen kleinen Beutel mit Buchweizen, band ihn der Prinzessin auf den Rücken und machte ein kleines Loch hinein. In der Nacht rieselte die Spur aus dem Beutel, während der Hund die Prinzessin trug. So konnte man den Weg genau verfolgen.
Der Soldat wurde verhaftet und in den Kerker geworfen. Am nächsten Morgen sollte er gehängt werden.
Im Gefängnis erinnerte er sich plötzlich daran, dass sein Feuerzeug noch in seinem Zimmer lag. Als draußen schon die Menge zusammenströmte, sah er einen Schusterjungen vorbeilaufen.
— He, Junge!
— Was ist?
— Hol mir mein Feuerzeug aus meinem Zimmer, dann bekommst du gutes Geld.
— Wirklich?
— Lauf. Schnell.
Der Junge rannte los und brachte das Feuerzeug noch rechtzeitig zurück.
Draußen vor der Stadt war schon alles bereit. Der Galgen stand, die Menge wartete, der König und die Königin saßen hoch und ernst auf ihren Plätzen. Der Soldat wurde auf die Leiter geführt.
Da bat er um einen letzten Wunsch.
— Eine Pfeife Tabak.
Der König erlaubte es. Der Soldat nahm das Feuerzeug heraus und schlug es.
Einmal. Zweimal. Dreimal.
Im selben Augenblick erschienen alle drei Hunde.
— Helft mir, rief der Soldat.
— Und sorgt dafür, dass ich heute nicht sterbe.
Was dann geschah, vergaß in der Stadt niemand mehr. Die Hunde stürzten sich auf Richter, Wächter, Räte und schließlich auch auf den König und die Königin. Alles geriet durcheinander. Hüte flogen, Stühle kippten, Menschen schrien, und niemand wusste noch, wo oben und unten war.
Die Menge wich zurück. Dann rief jemand:
— Der Soldat soll unser König sein!
Und plötzlich riefen es viele. Dann fast alle. Denn Menschen lieben Wunder, besonders dann, wenn sie genau im richtigen Moment geschehen.
Die Prinzessin wurde aus dem Schloss geholt, und der Soldat bekam sie zur Frau. Es wurde Hochzeit gefeiert, groß und fröhlich. Und die drei Hunde saßen mit am Tisch, als gehörten sie selbstverständlich dazu.
So wurde aus einem heimkehrenden Soldaten ein König, und aus einem vergessenen Feuerzeug der Schlüssel zu einem völlig neuen Leben.
Von Thomas kommentiert
Das Feuerzeug ist ein lebendiges Märchen von Hans Christian Andersen mit einer besonderen Mischung aus Spannung, Magie und überraschenden Wendungen. Diese Fassung wurde von Thomas kommentiert und ist in dieser Form nur hier zu finden.
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